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Mein Baby ist tot- Mütter berichten
Wie sich mein Baby wohl gefühlt hat....?

Wie sich mein Baby wohl gefühlt hat....?

 

Durch die Augen des Kindes

 

 

Wie sich für mich als Mutter die Situation anfühlte, als ich mein Kind in den Tod hinein gebären musste, war mir klar – es war als zerreiße ich von innen nach außen, als breche meine Welt in kleinste Partikel in sich zusammen. Es war Schmerz und doch auch viel Glück, es war Grauen und Faszination, es war Schrecken und Geborgenheit in einem.

 

 

Für mich liegt meine Welt seither in Trümmern. Trümmer, die ich neu aufbauen muss. Alles wird sich neu formieren.

 

 

In den ersten Tagen, nachdem mein Sohn geboren wurde, begegnete uns eine Vielzahl an Liedern im Radio und eines davon trug die Botschaft „Through the eyes of a child.“

 


Erst später wurde mir klar, was das für mich bedeuten sollte. Irgendwann begann ich mich zu fragen, wie wohl mein Sohn die Stunden, in denen wir uns so nahe kamen wie nie zuvor, um uns danach wieder so schmerzlich zu trennen, erlebt haben mochte.

 

 

Wie hat er es in seiner kleinen Welt empfunden, dieses erschütternde Ereignis?

 

 

 

Und ich versuchte, mich in diese Gedanken und Gefühle meines kleinen Sohnes hinein zu versetzen, und sehr schnell übermittelte er mir Bilder und Gefühle, die ich zu teilen bereit bin.

 

 

 

 

Ich war bereit zu gehen. Du musst nicht traurig sein, denn das ist der Lauf der Dinge. Ich bin mit diesem Wissen auf Deine Welt gekommen. Es ist für mich nicht tragisch oder furchtbar, dass ich gehen musste. Ich war dazu bereit, ich bin dazu bestimmt, ich habe es SELBST so bestimmt.

 

Es ist mein Weg, und ihr ward bereit, ihn mit mir zu gehen. Das ist es, was euer größtes Geschenk für mich gewesen ist.

 

Wir hatten so wunderschöne Zeiten miteinander. Ich habe das Gefühl, mit meiner Mutter eins zu sein, unendlich genossen. Ich habe Wärme erfahren. Geborgenheit und Schutz. Irdischen Schutz und irdische Wärme. Eine wundervolle Erfahrung. Und ich habe Liebe erfahren und Glück. Dieses Glücksgefühl war so groß, dass ich es kaum erfassen habe können. Es war größer als alles andere, was ich bisher erfahren hatte. Ich war voll davon und ich konnte so viel davon aufsaugen, wie ich wollte – das Glück meiner Eltern wurde niemals weniger und auch nicht ihre Liebe.

 

Ich habe eine Art Unermesslichkeit erfahren, die mich sehr geprägt hat. Das war eine der Erfahrungen, die ich machen wollte. Darum bin ich gekommen, unter anderem. Auch ihr seid gekommen, um Dinge zu lernen. Ich genauso. Ich bin nicht gegangen, weil ich euch nicht wollte. Oder die Erde nicht wollte. Sondern weil ich bereits genug gelernt und gefühlt hatte.

 

 

Als ich merkte, dass ich gehen muss, war ich sehr traurig. Ich wollte so gerne bei euch bleiben, aber ich wusste ja, dass ich gehen musste, damit die Dinge in Lauf kommen können, die euch und mir bestimmt waren. Ich wusste selbst noch nicht genau, dass ich die größte und wichtigste Erfahrung erst machen sollte. Aber ich wusste, ich möchte irdisch sein.

 

Jeder sollte mich be-greifen.

 

 

Als meine kleine Welt sich erschütterte, hatte ich keine Angst. Ich war viel mehr ganz still, damit ich alles wahrnehmen konnte, was jetzt geschah und damit ich ganz nah bei meinen Eltern sein konnte. Wir mussten alle ganz still sein, um die leisen Worte zwischen uns vernehmen zu können. Da durfte und konnte uns niemand stören. Wir haben uns verstanden, ohne miteinander zu sprechen. Viele Menschen würden sagen, das ist verrückt, aber das ist es nicht. Ich habe Eltern, deren Ohren darauf geschult waren, leise Worte zu vernehmen und darum fiel es mir leicht. Ich weiß, dass nicht jedes Kind so schnell gehört wird.

 

Das war eine weitere Erfahrung für mich – dass ich wählen durfte und angehört wurde. Ich habe gelernt, gehört zu werden. Und ich habe Bedingungslosigkeit erfahren, als meine Eltern mir auf diesem Weg helfen wollten.

 

Als ich merkte, dass es Zeit war, Mamas schützenden Körper zu verlassen, wurde ich zuerst sehr traurig. Es war meine nächste Erfahrung – ich habe Trauer empfunden und Schmerz.

 

Dann, als die schützende Hülle um mich anfing sich zu bewegen und es immer enger um mich wurde, habe ich Angst erfahren. Und doch habe ich mich beschützt gefühlt.

 

 

Dann wurde es mit einemmal hell und kalt. Und doch war mir ganz warm und plötzlich war alles so anders. Ich habe Glück empfunden. Ich habe Erleichterung empfunden.

 

Und ich habe mich gefreut. Ich habe gelernt, wie es ist, sich zu freuen.

 

Das nächste, was mir zuteil wurde, war Dankbarkeit. Dankbarkeit, dass ich diesen Weg so habe gehen dürfen und ihn nicht alleine gehen musste.

 

Dann spürte ich meine Eltern um mich – und ich habe gelernt, wie es ist, andere Menschen und liebevolle Berührungen an meinem eigenen Körper zu spüren. Ich habe Körperlichkeit erfahren.

 

Ich habe gelernt zu hören, zu  riechen und zu fühlen.

 

 

Aber das größte und innigste, was ich fühlte, war Liebe, bedingungslose Liebe. Und Eins-sein. Ich war nicht mehr alleine, ich war eins mit meinen Eltern. Und wir alle waren verzaubert voneinander. Ich konnte sie nicht mit meinen Augen sehen, aber mit meinem Herzen – ich brauche keine Augen, um zu sehen. Das wesentliche sehe ich auch ohne meine Augen.

 

Ich konnte fühlen. Dafür war ich gekommen. Ich wollte lernen, wie es ist zu spüren. Und ich wollte lernen, wie es ist zu kämpfen. Und ich wollte vor allem lernen, wie es ist, geliebt zu werden. Und selbst zu lieben!

 

 

Als ich all das gelernt hatte, war es Zeit für mich zu gehen. Und ich lernte den Abschied kennen. Der Abschied war aber nicht schlimm. Es war sanft und gut. Und ich freute mich. Es war alles gut. Es war alles wunderbar. Und als letzte Lektion erfuhr ich den Frieden.

 

Ich weiß, dass meine Eltern viel geweint haben, weil ich ihnen fehle. Sie fehlen mir auch, aber ich musste meinen Weg wählen und gehen. Er hat nichts mit ihnen zu tun.

 

 

Was bleibt, ist eine tiefe Dankbarkeit, dass sie ihn mit mir gegangen sind und mich die Liebe gelehrt haben.

 

Für mich war mein kurzes Leben ein Fest der Freude. Es war kurz, aber voller Energie und Erfahrungen.

 

Ihr braucht nicht um mich zu weinen, wenn ihr an mich denkt. Ich habe voller Innigkeit gelebt und bin in Liebe gegangen.

 

Es war für mich das schönste, was mir passieren durfte.

 

Es war für mich pures Glück.

 

Ihr braucht nicht um mich zu weinen, denn alles war … Glück.

 

 

 

 

 

 

Ich glaube, dass sehr viele Kinder uns ähnliche Botschaften übermitteln. Ihre Welt ist klein und ihr Leben kurz. Aber der Schmerz der Trennung ist für sie nicht so schlimm wie für uns. Und oftmals leiden sie nicht einmal so viel, wie wir uns das vielleicht vorstellen, weil wir natürlich in unseren Maßstäben denken.

 


Durch die Augen unserer Kinder ist ihre Geburt, ihr Dasein und unser Beieinander-Sein das größte, was ihnen in diesem Leben passieren durfte. Es ist etwas, worüber sie sich vermutlich unbändig freuen und was sie unendlich genießen.

 

 

Ich für mich finde, dass dieser Aspekt etwas Tröstliches hat und uns den Schmerz zumindest ein wenig mildern kann.

 

 

Versuchen wir manchmal, das Geschehene durch die Augen unserer Sternenkinder zu sehen. Vielleicht entdecken wir Dinge, die wir niemals so hätten sehen können. Vielleicht finden wir sogar einen gewissen Sinn in all dem, was geschehen ist.

 

 

Und vielleicht hilft es und auch einfach nur, den unendlichen Schmerz zu ertragen und voller Liebe an unsere Sternenkinder zu denken.

 

 

 

Denn sie sind immer da. Sie sind um uns. So lange wir leben.

 

 

Daniela