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Wie sich Angehörige unterstützend verhalten können

 

 

 

 

In den Foren der Schmetterlingseltern haben wir häufig darüber  gesprochen, wie sie denn nun aussehen könnte: Die Hilfe, die Eltern benötigen, wenn sie in eine solche Situation geraten.
     

Hier möchte ich die wichtigsten Punkte zusammenfassen:

 

Sofort Kontakt zur Trauernden aufnehmen.

 

Viele Menschen nehmen an, dass man Trauernde in Ruhe lässt, sich von Ihnen fern hält. Das ist ein Missverständnis. Trauernde sind von allen Belangen des Alltags fern zu halten. Das ist richtig. Gleichzeitig aber benötigen sie das Angebot einer permanenten emotionalen Nähe.

Ganz besonders unmittelbar nach der Geburt neigen einige Frauen dazu, sich von allen Menschen, die sie lieben, zurück zu ziehen. Das sollten sie als Partner, Mutter oder gute Freundin möglichst nicht zulassen. Gehen Sie auf die Trauernde zu und seien Sie einfach nur da. Umarmen Sie und sagen sie nichts. Sagen Sie gerne: „ Ich weiß nicht, was ich sagen soll“.

Drängen Sie sich nicht auf, doch seien Sie in der Nähe. Fragen Sie gerne: „Wie fühlt sich ein solcher Schmerz an?“, oder „Was geht Dir durch den Kopf?“.

 

Wenn Sie nicht zum engsten Familien- oder Freundeskreis gehören, schreiben Sie SOFORT eine Karte. Schreiben Sie nichts, außer sinngemäß: „Ich bin sprachlos und jederzeit für Dich da!“.  Zeigen Sie, dass Sie gerne bei der Bestattungs- oder Gedenkfeier anwesend wären – nehmen Sie teil.

 

Sollten Sie selbst schwanger sein, dann wissen Sie vielleicht nicht, wie Sie sich verhalten sollen. Die Gefahr, nun eine gute Freundin zu verlieren ist groß. Nehmen Sie allen Mut zusammen und senden sie ein Signal der Anteilnahme. Zeigen Sie Ihre Tränen.

 

 

Einfach nur da sein!

 

Für liebe Freunde, Eltern oder Partner scheint es oft sehr schwierig  zu sein, mit trauernden Müttern umzugehen. Trauer ist immer unbequem.  Deshalb versuchen Menschen oft, Trauernde zu trösten, in dem sie  scheinbar „heitere Aussichten“ schaffen.

Sätze, wie „du bist doch noch jung, du kannst andere Kinder haben“, oder „ du bist stark, das schaffst du schon, das geht schon vorbei, oder „sei froh, dass es noch nicht gelebt hat“,   sind dabei oft hoch im Kurs.

Trauernde macht es aber wütend, so getröstet zu werden. Man kann Trauer nicht wegtrösten, nicht wegreden. Meist richten Trostversuche  dieser Art nur mehr Schaden an. Denn die Betroffene wird sich dagegen  auflehnen mit einem großen, inneren „Ja,aber !“ und sich  vermutlich verletzt zurückziehen.

Verletzt zurecht. Denn schaut man mal genauer hin, was hinter solchen  Aussagen steht, dann haben sie alle einen gemeinsamen Nenner: Sie sprechen – wenn auch unabsichtlich – der Betroffenen ihre Trauer ab. Sie alle haben den indirekten Beisatz: „ Es gibt keinen Grund zur   Trauer“, oder „die Trauer wird vorbeigehen, Kopf hoch“.  
     

Da dies natürlich nicht so ist, bringen solche Aussagen  unabsichtlich ein Unverständnis der Trauer und der Trauernden gegenüber zum Ausdruck.  Eine riesengroße Kluft enstetht. Wir haben im Forum schon oft überlegt, ob wir vielleicht ein mal eine Art Highscore-Liste,         der aufreibendsten Tröstfloskeln aufstellen sollten. Neben vielen ganz gemeinen Sprüchen stünde dort bestimmt noch: “Das Leben geht weiter“ ganz weit vorne.

Lassen wir das doch einfach.

Trauer ist unbeschreiblich.

Vielleicht ist es die erste unbeschreibliche Situation, in den die Trauernde  je gekommen ist. Dieser Zustand ist unfassbar.

Er ist aber gleichzeitig auch so schlimm, so schrecklich, dass man ihn als Trauernde nur zu gerne beschreiben möchte. Mir persönlich ging es lange Zeit so, dass ich immerzu meine Trauer gerne anerkannt haben wollte. Ich befand mich in einer schrecklichen Situation. Und ich fühlte mich in dieser Situation sehr, sehr allein. So wünschte ich mir Menschen, die in der Lage wären, das Ausmaß meines Schmerz und der Verzweiflung gänzlich zu erfassen. Nicht, dass das jemand falsch versteht. Ich hatte ein hervorragendes soziales Umfeld. Meine Familie, meine Eltern, meine Schwester , meine Freunde. Ich könnte keine Besseren haben. Alle haben sich vorbildlich benommen. Und doch hatte ich ständig das Gefühl, ich müsste genau erklären, wie ich mich fühle, weil ich dachte, bei aller Nähe - wie soll ich mich nur begreiflich  machen. Ich bin wirklich ein glücklicher Mensch, denn alle haben mir stets zugehört. Und doch war mir, als könne ich eine wirkliche Verbindung nicht aufbauen, mich nicht präzise erklären, also redete, weinte und schimpfte ich unentwegt.

    

Den Schmerz eines anderes erfassen kann nur, wer zuhört.     

Also öffnen sie ihre Herzenstüren und hören sie einfach nur zu.

Sagen sie nichts. Fragen sie! Seien sie einfach nur da!

 

Wochenbett


 Mütter fehl- oder totgeborener Kinder genießen leider noch immer allzu oft kein Wochenbett. Sie verlassen die Klinik sehr früh, um diesen Ort ihres Schicksals hinter sich zu lassen. In vielen Kliniken  weiß auch das Personal nicht recht mit der Trauer umzugehen. Eine häufige Folge: Man meidet die Patientin, der auf diesem Wege oft  eine angemessene Versorgung entgeht.


 Zuhause wartet dann häufig schon Papierkram, Organisatorisches, vielleicht noch andere Kinder, die es zu versorgen gilt. Manchmal kann  auch die Trauer selbst eine tiefe innere Unruhe mitbringen.

Mir selbst erging es so. Und ich weiß dies auch von vielen Betroffenen. Oft wird sogar auf eine sonst übliche gynäkologische Nachuntersuchung verzichtet. Der Termin hierfür geht einfach im Trubel unter.

Der Wegfall eines „Wochenbettes“ ist bis heute einer der größten Fehler in der Begleitung frisch verwaister Frauen. Die Trauer an sich wird in den Monaten den Körper ohnehin in eine geschwächte Kondition bringen- Hannah Lothrop spricht vom Absinken der weißen Blutkörperchen bis auf 40 % binnen 6 Monaten nach dem Verlust eines Kindes.

Wenn also ein Wochenbett für die Geburt eines lebenden Kindes wichtig ist, dann ist es für die Geburt eines verstorbenen Babys noch viel wichtiger! Der Bedarf an Rekonvaleszenz ist enorm groß, und kann doch von der betroffenen Mutter nicht selbst eingefordert werden. Ihr seelischer Schmerz ist so groß, dass sie den körperlichen Schmerz nicht so wahrnimmt, nicht ihre Schwäche und oft auch nicht die Verantwortung für ihre Gesundheit.

 

Als Angehörige obliegt diese Verantwortung nun Ihnen! Kümmern Sie sich darum, dass die Mutter Ruhe hat, dass sie bekocht wird, und dass sie nie lange allein ist.

Das gilt  übrigens unabhängig vom Stadium der Schwangerschaft oder der Größe des Kindes. Jede Geburt, sei sie noch so still oder früh, benötigt anschließend eine Phase der Rekonvaleszenz.

Insbesondere nach frühen Verlusten gehen Frauen viel zu früh wieder arbeiten, setzen sich den Fragen der Mitarbeiter oder Chefs aus, oder sind womöglich gezwungen, ihren Schmerz zu verbergen. Das ist nichts Gutes für die spätere emotionale Gesundheit dieser Frau.

 

Ablehnung gegen den eigenen Körper  verstehen
     

Die Ablehnung gegen den eigenen Körper kann groß sein. Allein ein Blick in den Spiegel kann zeigen, dass man „nie wieder die Selbe“ sein wird, wie „vorher“. Eine warme Dusche kann zu einem großen Problem werden, wenn die Hände über den jetzt so leeren Bauch wandern.

Man kann sagen: nach einem Verlust ist alles, was man tut, immer das „erste Mal danach“.  Die Trauernde benötigt für jede dieser Kleinigkeiten  unter Umständen viel Kraft und alles geht langsam. Haben Sie Verständnis und machen Sie sich klar, wie viel Kraft sie dafür aufwenden muss. Das strengt enorm an.

 

     
     

Das Abschied nehmen unterstützen:


 Abschied nehmen ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Trauerarbeit. Neben dem eigentlichen Bewusstwerden des Verlustes und dem späteren  Verarbeiten ist dies vermutlich eine der wichtigsten ihrer Säulen.   
     

Betroffene Eltern sollten sich darüber im Klaren sein, dass alles,  was sie jetzt noch an Eindrücken ihres Kindes sammeln können,  nicht nur für die kommende Trauerarbeit reichen muss, sondern auch  als Erinnerung für ein ganzes Leben.


 Eindrücke, die wir nicht sammeln, die können wir später auch nicht mehr zum Ausdruck bringen. Alles, was wir nicht zum Ausdruck  bringen, das können wir nicht verarbeiten.

 

Unterstützen Sie die trauernden Eltern in jedem ihrer Wünsche, die Sie diesbezüglich äußern.

 

Bedenken Sie, dass Trauer die gesamte Wahrnehmung ändern kann, die Aufmerksamkeit ist nun nach Innen gerichtet, und es kann in der tat zum Problem werden, sich ein Essen zuzubereiten oder gar Behördengänge zu erledigen. Die Kommunikation zu anderen wird nicht gerne aufgenommen, wie bitte soll man da telefonieren, oder gar mit dem Friedhofsgärtner einen geeigneten Platz aussuchen?

 

Wenn Sie eine gute Freundin sind, gehen Sie zu den Eltern, sagen Sie gerne: „ Ich unterstütze jeden Eurer Wünsche, sagt nur an, was ich tun kann“.  Kaufen Sie ein, bieten Sie leichtes Essen an, erledigen Sie Telefonate, Behördengänge und Organisatorisches. Begleiten Sie die Eltern zu den Terminen, in denen deren Anwesenheit unerlässlich ist.

 

 

Birgit Zart Feb. 2009