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Wie entsteht Männlichkeit?

Wie entsteht „Männlichkeit“?

 

Die Spermatogenese, also die Bildung der Spermien aus den Samenmutterzellen ist einerseits eine hochkomplizierte Sache, gleichzeitig ist sie hochsensibel und kann in verschiedenen Phasen beeinträchtigt werden. Ist sie gestört, kann das Auswirkungen auf die Anzahl, die Struktur, die Beweglichkeit oder die Vitalität der Spermien im späteren Leben eines Mannes haben.

 

Fetale Entwicklung:

Alle menschlichen Embryonen sind zunächst körperlich sexuell neutral.  Erst später erfolgt eine Phase der geschlechtlichen Differenzierung. Es ist das berühmte Y-Chromosom, welches dann darüber entscheidet, ob ein Embryo sich dann zu einem kleinen Jungen weiter entwickelt. Damit dies einwandfrei vor sich gehen kann, ist ein gesunder Hormonhaushalt der Mutter erforderlich. Diese Hormongesundheit  wiederum ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Zunächst müssen dafür ihre wichtigsten körpereigenen Hormone, also das  Östrogen und Progesteron sich in einer gesunden Balance befinden.

Verfügt der Hormonhaushalt der Mutter über ein Zuviel an Östrogenen, dann macht dies es dem männlichen Embryo schwer, sich geschlechtlich von der Mutter zu differenzieren.

Ein so veränderter Hormonhaushalt kann durch Umweltgifte entstehen, die eine östrogenähnliche Wirkung im Körper entwickeln, oder durch Arzneimittel, durch emotionalen Stress und auch durch die Ernährung. Merken wir uns hier: Für die gesunde Ausbildung der männlichen Geschlechtsorgane bedarf es eines ausgewogenen Hormonhaushalts der Mutter.

 

Frühkindliche Phase

Auch in dieser Zeit entwickeln sich die männlichen Fortpflanzungsorgane weiter. Einige Studien untersuchten auch hier den Einfluss von Hormonen auf die geschlechtliche Entwicklung. Fündig wurde man hier bei den Phytoöstrogenen. Phytoöstrogene sind Pflanzeninhaltsstoffe, die dem körpereigenen Östrogen so ähnlich sind und im Körper wirken wie sie. Zunächst war man überrascht, dass australische Schafe nach dem Verzehr einer bestimmten Kleesorte einen drastischen Rückgang ihrer Fertilität zeigten. Diese Kleesorte war reich an Phytoöstrogenen. So wurde die Wirkung der Phytoöstrogene auf menschliche Babys untersucht. So fand man heraus: Die Zufuhr stark phytoöstrogenhaltiger Nahrungsmittel, beispielsweise von Soja-Produkten im Babyalter kann sich nachteilig auf die spätere Spermatogenese auswirken.

 

Kindheit und Pubertät

In der Pubertät beginnt das hormonell ausgeklügelte Heranreifen der männlichen Geschlechtsorgane. Wie sehr fein unsere Hormone doch auf einander abgestimmt sind, das wird wohl in kaum einem anderen Lebensabschnitt deutlicher, als in er Pubertät. Selbst in einem vollkommen gesunden und wünschenswerten Umfeld wird sichtbar, wie der Körper in dieser Zeit ab und an überschießt und sich anschließend wieder hormonell ausgleichen muss. Dann kann er die Balance wieder eine gewisse Zeit lang aufrecht erhalten, und bald darauf schießt wieder etwas über. Wir alle haben unsere Pubertät wohl als eine wilde und chaotische Zeit in Erinnerung. Und das liegt daran, dass der hormonelle Haushalt erst am Heranwachsen ist und sich allmählich dann erst einpendelt. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass die Pubertät der Mädchen insgesamt sanfter verläuft, als bei Jungen. Das mag von Außen betrachtet anders erscheinen, insbesondere dann, wenn die jungen Damen sich oft „zickig“ gebärden und gerne laut und nörgelig dabei werden. Jungen leiden dabei eigentlich mehr. Denn für die üblichen Symptome, wie Akne, Wachstumsschmerzen, persönliche Krisen haben sie kein emotionales Ventil, wie die jungen Mädchen. Sie gehen weniger nach Außen, sind weniger redselig, tendieren dazu, ihre Konflikte in Inneren stattfinden zu lassen. Und in diesem Inneren tobt es bisweilen regelrecht. Das führt zu Schlafstörungen, häufigem Aufwachen, nächtlichem Schwitzen, zu Problemen mit dem Management nächtlicher Samenergüsse- alles in allem wirkliche Beeinträchtigungen, die meiner Ansicht nach viel zu selten auch eine Anerkennung finden. Diese Anerkennung möchte ich hier einmal deutlich aussprechen.

 

Zusätzlich zum Karussell der Emotionen findet in dieser Zeit - und natürlich in der Zeit davor -  das Senken der Hoden statt. Ein reibungsloser und zeitgerechter Senkungsprozess ist ein guter Garant für die Gesundheit der männlichen Fortpflanzungsorgane. Einige Studien untersuchten Jungen mit verzögerter Hodensenkung und Männer mit verzögerter Hodensenkung in ihrer persönlichen Vorgeschichte. In ihrem Blut fand man Umweltgifte, insbesondere die als Weichmacher bekannten Phthalate. In der Langzeitbetrachtung dieser Männer beobachtete man eine deutliche Disposition zu verminderter Spermienqualität und zu Erkrankungen der Hoden.

 

Im Erwachsenenalter:

Auch die Spermienqualität des erwachsenen Mannes steht in einem unmittelbaren hormonellen Kontext zu seiner Umwelt und seiner Lebensweise. Dass dieser Kontext schwankt zeigen uns die meist nicht  gleichbleibenden Spermiogramme eines Mannes, wenn er denn in der glücklichen Situation ist, mehrere von ihnen und vor allem über einen Zeitraum von mehreren Jahren erhalten zu können.

 

Liebe Herren, falls Sie nach dem Lesen dieser Zeilen sich möglicherweise in der einen oder anderen Risikogruppen wähnen, dann möchte ich hier bitte etwas klarstellen: Solche Studien dienen lediglich einer Ursachenfindung. Es wäre ein fataler Fehler, nun zu denken: „Du meine Güte, meine Mutter hat in der Schwangerschaft Östrogene zu sich genommen, jetzt habe ich sicherlich eine schlechte Spermienqualität“, oder „Ich hatte einen Hodenhochstand und entwickle mich nun auf einen frühen Hodenkrebs zu“. Sehen wir es doch lieber so: Wir entwickeln gerade ein Verständnis für die möglichen Ursachen einer guten oder nicht so guten Spermienqualität. Und: Wir fangen ja gerade erst an.

 

Birgit Zart 2010