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Keine Männerarzt-Routine

Keine Männerarzt-Routine

 

Ganz ungewohnt und somit ebenfalls ein neues Terrain für den Mann von heute ist, dass er in der Regel über keine nennenswerte Erfahrung oder Routine verfügt, die dem Besuch bei einem „Männerarzt“ entspräche, in der Form etwa, wie sie beim Besuch der Frau bei einem Gynäkologen sehr wohl vorhanden ist. Spätestens seit dem Aufkommen der Anto-Baby-Pille in den 60er Jahren boomte unsere Gynäkologie schon deshalb, weil zur gynäkologischen Therapie nun die Verordnung der Pille hinzukam,  und diese wurde in den meisten Praxen zum Anlass einer Routineuntersuchung genutzt. Das war neu.

 

Ich kann mich nicht erinnern, in meiner Kindheit von meiner Großmutter oder ihren Geschwistern das Wörtchen Gynäkologe gehört zu haben. Das lag nicht etwa an den Schamgefühlen des letzten Jahrhunderts, sondern schlichtweg daran, dass es noch nicht viele Gynäkologen gab, und zu denen, die es gab, ging man nicht hin. Weshalb denn auch, wenn man doch gesund war? Sogenannte Frauenärzte gab es in den Kliniken und den Kreißsälen und sie wurden hauptsächlich in der Geburtshilfe benötigt.

 

Die Pille änderte das. Ein Rezept für sie benötigte man alle drei Monate. Und dafür wurde eine Untersuchung fällig. Beim Gynäkologen. Erstmals konnten die Mütter ihre Töchter vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen und schickten sie reihenweise in die Frauenarztpraxen. Das Wörtchen Frauenarzt war in aller Munde, beim Kaffeekränzchen ebenso, wie auf dem Schulhof. Und die Töchter bei den Frauenärzten. Wie peinlich war das damals!

Das ganze sah etwa so aus: Von einem unpersönlichen gemeinsamen Wartezimmer führten mehrere Kabinen in die Ordination. Die Kabinen hatten zwei Türen, eine zum Wartezimmer hin und eine zur Praxis des Arztes. Der Reihe nach betraten die Frauen eine solche Kabine. Sie waren angehalten im Rock zu erscheinen. Man ging stets im Rock zum Frauenarzt. In der Kabine zog man sich den Slip aus, der hieß damals noch Unterhose, und wartete in dieser Kabine, bis der Frauenarzt dann von der seinen Seite dann endlich die Tür öffnete. Die oft doch längere Wartezeit in der Kabine vertrieb man sich mit dem Zuhören des Gespräches derjenigen Patientin, die gerade in Behandlung war. Da konnte man hören und auch viel lernen.

Das Gespräch mit dem Frauenarzt fand dann also an dessen Schreibtisch statt. Im Rock, der möglichst lang war. Und in dem Wissen: Darunter habe ich nichts an! Im Verlaufe des Gespräches wurde man dann gebeten, auf den Untersuchungsstuhl zu klettern, natürlich immer darauf achtend, dass der Rock dabei alles verdeckte. Irgendwann dann kam der Arzt, klappte den Rock weg, begann mit der Untersuchung, die vorbei war, wenn endlich der Rock wieder zurück geklappt wurde.

Wenn man bedenkt, dass viele junge Mädchen ihre Anti-Baby-Pille erhielten noch vor dem ersten Sex, dann wird klar: Ein solcher Besuch beim Frauenarzt war ging zumeist den ersten wahren und zärtlichen sexuellen Erfahrungen voraus.

Inzwischen ist der Besuch eines Gynäkologen für eine Frau zur Routine geworden.

 

Das ist es für den Mann aber noch nicht. Für ihn existiert eine solche Routine noch nicht. Er erobert sich eine solche ja erst. Vor noch nicht all zu langer Zeit steckte die Reproduktionsmedizin noch in den Kinderschuhen und mit ihr die Möglichkeit, die Qualität von Spermien zu erfassen. Und die Möglichkeiten und Erfahrungen verbessern sich noch fortwährend. So könnte man sagen, unsere Männer sind Pioniere auf diesem Gebiet.

 

Birgit Zart 2010