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Der KokonDie Abwehrkraft will trainiert seinDie Trauer der Mütter ist eine InstanzMutter und Kind verbindet ein unsichtbares BandMan kann nur dankbar sein, für alles was lebtMutterliebe

Der Kokon

Der Kokon

 

Wer heute krank ist erhält für seine Krankheit Medikamente, die leider immer nur Symptome lindern. Sie heilen aber nicht. Sie haben nicht die Kraft, den Körper bei seiner Genesung zu unterstützen. Unser Körper ist doch aber der aller größte Heiler! Und der braucht, um genesen zu können, noch ganz andere Dinge und Umstände.

 

Zuerst einmal geht er von selbst in einen Kokon. Das kennt jeder hier: Wir bekommen eine Art Matschbirne. Der Kopf dröhnt und die Konzentration ist plötzlich weich wie Watte. Alles tut weh. Alles fällt schwer. Es kommt uns vor, als sei zwischen uns selbst und der Umgebung plötzlich eine viel größere Entfernung, als sonst. Sehr unangenehm und anstrengend, wenn man so arbeiten gehen soll.

Der Körper aber initiiert genau diesen Kokon aus einem guten Grund: Er möchte seine Arbeit tun und in aller Ruhe gesund werden. Das ist wichtig zu verstehen: Nicht WIR MACHEN den Körper gesund, sondern immer auch er selbst.

 

Er schaltet dann für ihn unwesentliche Dinge aus, damit er sich ausschließlich auf seine Genesungsarbeit konzentrieren kann. Er initiiert andere Bedürfnisse für uns. Nein, an solch einem Tag möchten wir nicht in die Disco, da gehen wir auch nicht in die Fitti-Bude. Und allein, an Arbeit nur zu denken, tut schon weh.

Wohin geht dann unsere Sehnsucht? In die Ruhe und ins Ausruhen. Aufs Sofa, oder ins Bett. Kleine Köstlichkeiten auf dem Nachttisch, die Fernbedienung in der Hand. Und viel, viel Schlafen. Kokon eben.

 

Wenn wir merken, ein Infekt bahnt sich an, ist das nicht nur ärgerlich sondern allein die Feststellung ist schon enorm anstrengend. Weil wir eben wissen, wie man sich quälen muss, in diesem Zustand.

Wir quälen uns richtig rum und entschuldigen uns dann noch für die „ewige Husterei“ , „das Schniefen“ und allerlei andere Unzulänglichkeiten. Schuldgefühle statt Ruhe.

 

Stellen wir uns doch aber gerne mal vor, wie es wäre, wenn unsere Gesellschaft traditionell einen Kokon zelebrieren dürfte? Dann würden wir uns beim Chef melden und sagen: “Chef, ich habe Kokon.“ Dann wäre mir und allen anderen klar: Biggi geht jetzt in den Supermarkt, versorgt sich mit allerlei Köstlichkeiten, geht nach Hause, haut sich aufs Sofa, schaltet Handy und Co einfach ab und ruht sich 3 Wochen aus. So wird sie von ganz alleine wieder gesund werden und danach fitter als zuvor wieder an ihrem Arbeitsplatz landen.

 

Innerhalb dieser Gedanken ist eine Erkältung nicht mehr schlimm. Nur eine Erkältung eben. Eine notwendige Auszeit, in der man endlich mal alle guten Bücher lesen und alle ungesehenen Serien nachholen kann. Und ganz viiiel schlafen.

 

Und es ist keine Utopie. Im Gegenteil: Es ist die Vergangenheit. In meiner Kindheit wurde jeder Infekt genauso ausgeheilt. Ab in den Kokon. Wärmflasche, Kraftbrühe, Orangen, Zwiebelsaft und Schokolade.

 

Meiner Großmutter erging es ebenso, nur dass man damals noch länger abwartete, die Kinder wieder in den Alltag zu schicken, weil man aus Erfahrung einen enormen Respekt vor der Rekonvaleszenz hatte. Wurde ein Kind in dieser Zeit krank, also in der Zeit kurz nach einer Erkrankung, dann wurde es gefährlich. Es ist logisch, dass man genau dies vermeiden wollte und auch so durchzog. Weiterhin viel Ruhe, Verwöhnen und Kokon, viel Schal, viel Mütze, keine körperliche Anstrengung, hieß es da.

 

Recht hatten die Alten und besaßen viel Erfahrung. Die wurde von Generation zu Generation weiter gegeben.

 

Heute ist uns die Möglichkeit einer nachhaltigen Genesung im Prinzip genommen. Es gibt kaum noch Krankschreibungen, und wenn, dann sind sie viel zu kurz und nie im Sinne unseres Körpers. Symptome werden kaschiert und dem Körper die Chance zur eigenen Heilung genommen.

 

Und wir sind gezwungen, da irgendwie mitzumachen. Aber vielleicht können wir das gute Alte in das Neue integrieren?

 

Sagen wir doch wenigstens zu uns selbst: „Uups, ich habe Kokon“. Sagen wir es unseren Kindern. „Erkältung ist nicht schlimm. Der Körper möchte nur gerade alles wieder ganz gesund machen“. Sagen wir es unserer besten Freundin: „Ruh Dich aus, Du hast Kokon“.

 

Zelebrieren wir ihn, den guten alten Kokon.

 

Bleibt alle schön und gesund!

Biggi