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Sternchen - Bericht über eine Fehlgeburt ohne Ausschabung

von Sabine

1996 - 2000

Mein Mann und ich haben uns nach reiflicher Überlegung für Kinder entschieden. Ich setze im Juli 1996 die Pille ab und denke recht naiv, daß wir wohl in den nächsten 2-3 Monaten schwanger werden.

Doch ein Kind möchte nicht zu uns kommen.

Der Kinderwunsch ist mal stärker, mal schwächer. Doch immer ist der Wunsch um uns herum. Unsere Partnerschaft leidet ein wenig. Immer noch denken wir jeden Monat, daß es wohl bald geschehen wird.

Doch es kommt kein Kind zu uns.

Ich lasse mich organisch und hormonell untersuchen und auch Bernds Spermien werden einer Untersuchung unterzogen. Fazit: Bei mir alles in Ordnung, aber dieser überhebliche, spermienuntersuchende Professor gibt schriftlich bekannt, daß die Bernds Spermien wohl nicht mehr stark genug seien, um uns Kinder zu schenken. Das war`s. Und dann noch der wohlgemeinte Rat meines Gynäkologen, uns mit einer Hormontherapie und eventuell mit einer "künstlichen Befruchtung" vertraut zu machen. Ich sei ja nicht mehr die Jüngste, die Zeit würde drängen ........

Wir wollen keine Hormontherapie und auch keine "künstliche Befruchtung", entweder kommt ein Kind auf natürlichem Wege oder wir werden unser Leben zu zweit leben.

Ich lese viel und probiere vieles aus: Temperaturmessen, Kräutertees, wenig miteinander schlafen, oft miteinander schlafen. Die Partnerschaft leidet, aber ein Kind möchte nicht zu uns kommen.

Wir merken, daß es so nicht weitergehen kann und machen uns Gedanken, wie es denn weitergehen soll.

Ich beginne im November 1999 eine Heilpraktikerausbildung, die mich völlig fordert, dazu die Arbeit in der Kanzlei von meinem Mann, Haushalt ... dies alles lenkt mich sehr ab von meinem Wunsch nach einem Kind.

Die Ausbildung macht Spaß, ich werde lockerer, kann mir auch ein Leben ohne Kind vorstellen. Bernd hat schon einen sehr intensiven Wunsch nach Kindern.

Ich bin nun in sehr guter homöopathischer Behandlung und werde durch Homöopathie und Yoga sehr viel lockerer. Ich habe viel Power; Ausbildung, Arbeit, Fotografieren. Ich fühle mich gut, unsere Partnerschaft hat sich gut erholt und wir entschließen uns im Juli 2000 dazu, den Wunsch nach Kindern aufzugeben. Basta.

6. Oktober 2000

Meine Happies (Menstruation) sind ausgeblieben. Ich renne zum Apotheker, mache einen Test und renne nochmals zu ihm, um den Test richtig deuten zu lassen.

Ich bin schwanger.

Es ist so unglaublich. Ich fühle mich so gut, ich bin so glücklich. Es ist der 1. Geburtstag meiner Nichte, als wir es verkünden. Alle freuen sich mit uns.

10. Oktober 2000

Ich war lange Zeit (seit dem Rat zur Hormontherapie etc.) nicht mehr beim Gynäkologen. Ich melde mich bei einem mir unbekannten Arzt an und dieser stellt durch die Ultraschalluntersuchung fest, daß ich schwanger bin (hab's doch schon gewußt). "Es ist aber sehr klein", dieser Satz beunruhigt mich, aber ich möchte darüber nicht weiter nachdenken. Ich bin in der 6. Woche schwanger.

Ich wechsele den Arzt, weil mir der vorherige nicht zugesagt hat, bin unsicher, möchte alles richtig machen. Meine Heilpraktikerin und Ausbilderin macht mir Mut, ich soll ruhig bleiben, schon mal mit meinem Kind reden. Es ist so schön, schwanger zu sein. Dieses Gefühl von nicht-mehr-alleine-Sein ist so überwältigend. Dieses Gefühl zu haben, daß ein Mensch in dir wächst und gedeiht. Ich blühe richtig auf und fühle mich gut.

17. Oktober 2000

Ich finde einen neuen Arzt, Ultraschall - "das ist aber klein". Aber ich sehe das Herz von meinem Kind schlagen. Ein ungeheures Gefühl, ich fühle mich ganz mütterlich. Ich bin in der 7. Woche schwanger.

Das Kind ist schon ein Teil von mir geworden. Ich lerne mit ihm, ich lache mit ihm. Ich erzähle ihm viel. Aber die Hormone machen mich auch aggressiv, ich streite mich oft mit Bernd.

30. Oktober 2000

Anfang 9. Woche Schwangerschaft. Ich bekomme dunklen Ausfluß, habe Angst, rufe den Arzt an, kann vorbeikommen zur Kontrolle. Ich liege auf einer Liege, Vaginalultraschall mit einem Riesenmonitor zu meinen Füßen. Damit die werdende Mama auch alles sehen kann. Ich sehe mein Kind, ich sehe das schwach pochende Herz. Mein Kind ist nicht gewachsen.

Dieses Bild vor Augen, den Schallkopf noch eingeführt, sagt der Arzt: "Tja, das wird wohl nichts. Tut mir leid. Aber da müssen wir eine Ausschabung machen lassen."

Ich weine, sage, daß ich doch das pochende Herzchen noch sehe. Aber der Arzt läßt sich auf keine Diskussion ein. Als ich mich angezogen habe, hat er mir schon den Überweisungsschein ausdrucken lassen. Einfach über die Straße, dort bei den Ärzten Sowieso einen Termin geben lassen. Es geht ganz schnell, tut nicht weh, sie können ja immer noch mal schwanger werden, beim ersten Mal geht's meistens schief, auf Wiedersehen.

Ich weine, laufe über die Straße zu den Ärzten Sowieso, mache einen Termin für den nächsten Tag aus. Kalte Atmosphäre, ich kann nicht klar denken. Ich fahre nach Hause, rufe meinen Mann an. Er ist völlig fertig. Ich rufe meinen Hausarzt an, den Homöopathen. Er fragt: "Wie geht es Ihnen jetzt?" WAS? Da fragt jemand, wie es mir geht? Das tut so gut. Er sagt weiter, daß ich ja wohl wisse, daß ich mein Kind auch auf natürlichem Wege verabschieden könne. Und ob ich mir das zutrauen würde. Ja, ja, ja. Er wird mich menschlich und homöopathisch unterstützen. Es könne jetzt aber eine gewisse Zeit dauern. Ich solle zur Ruhe kommen und das Kind verabschieden.

Ich sage den Ausschabungstermin ab.

Es meldet sich der Gynäkologe, von dem Ausschabungsdoktor wohl über die Absage informiert. "Was ist los?" Ich entgegne, daß mein Kind ja bislang noch lebt und ich es nach seinem Tod außerdem auch unter natürlichen Umständen wieder gehen lassen möchte. "Mein Kind kam auf natürlichem Weg und darf auf natürlichem Weg auch wieder gehen".

3. November 2000

Mein Mann und ich erscheinen nochmals bei dem Arzt. Er schaut nochmals nach unserem Kind. Es ist gestorben. Wir sagen ihm, daß wir dabei bleiben, keine Ausschabung machen zu lassen. Er gibt sein okay (ich hätte es auch ohne dieses gemacht), faselt plötzlich davon, daß das ja auch gehen würde, früher hätten die Frauen das immer so machen müssen. Man wisse halt nur nicht, wann es passiert. Mein Mann sagt: "Wir haben Zeit". Der Arzt schaut blöd.

Es vergehen drei Wochen. Wir sind so traurig, aber auch glücklich, diese Zeit des Abschiednehmens zu haben. Wir finden enger zueinander.

20. November 2000

Ich wache um 7 Uhr auf, muß auf Toilette, es kommt Blut. Ich sage meinem Mann " es geht los" und schon kommen die Krämpfe. Es sind Menstruationsschmerzen, eigentlich auszuhalten, aber mit dem Gedanken an unser Sternchen (so haben wir es genannt) doch wieder so schmerzhaft. Ich benutze Toilettenpapier und werfe es ins Klo, es bleibt wie ein Teppich liegen und in diesem Moment kommt Sternchen zur Welt und landet auf dem Teppich von Toilettenpapier. Ich bin unfähig, mich zu rühren, rufe nach meinem Mann. Wir schauen uns Sternchens Hülle an, mein Körper hat unser Kind schon wieder in sich aufgenommen. Aber die Hülle, sie ist da. Wir sind ganz ergriffen und weinen und ich weiß gar nicht, was ich nun tun soll. Wir nehmen Abschied und betätigen die Klospülung....

Ich blute und weine und habe Krämpfe. Ich versuche zu arbeiten, es klappt nicht. Ich fahre dann zu meiner Tante, damit ich nicht alleine zu Hause liegen muß. Das tut gut. Nicht allein zu sein, nachdem mich mein Kind alleine gelassen hat.

Ich bin relativ gefaßt, die Zeit bis zur "Geburt" hat mir gut getan. Ich konnte über vieles nachdenken.

Abends gehe ich sogar in den Unterricht. Alle sind sehr mitfühlend, das tut mir so gut. Ich fühle mich so leer, ich bin alleine....

Ich blute noch etwa eine Woche. Dann folgt ein Kontrolltermin, ob auch "nichts zurückgeblieben ist". Alles in Ordnung. Wirklich alles?

November/Dezember 2000 - Januar 2001

Alles ist wieder "normal". Ach ja? Meine Freundin ist schwanger, nach vier Fehlgeburten. Ich freue mich für sie, und doch ist der Schmerz plötzlich wieder da. Habe ich noch nicht alles verkraftet? Meine Freundin und ich weinen zusammen, sie ist schwanger geworden während meiner Abschiedsphase von Sternchen. Das Leben erzählt verrückte Geschichten.

Ich freue mich auf das Kind meiner Freundin. Ich habe aber auch Hoffnung, daß ich bald wieder schwanger werde.

Wir vergessen den Wunsch nach einem Kind, da die Schwangerschaft meiner Freundin kritisch verläuft, wir oft bei ihr sind und uns um sie kümmern. Dieses Kind soll zur Welt kommen...